Reformationsfest in Dietenheim im Zeichen der Ökumene

Spielmannszug und Bürgerwehr marschieren voraus

Ganz im Zeichen der Ökumene stand das große Reformationsfest in Dietenheim:Nicht nur die evangelischen Kirchengemeinden Dietenheim und Balzheim feierten das Jubiläum 500 Jahre Thesenanschlag Luthers, sondern auch viele Dietenheimer Katholiken und die Historische Bürgerwehr. Dazu musizierten und spielten der Spielmannszug, die Stadtkapelle und die Theaterfreunde Balzheim.

Strahlender Sonnenschein begleitete das Reformationsfest schon am Morgen, als Spielmannszug und Bürgerwehr die evangelischen Kirchengemeinderäte von Dietenheim und Balzheim im Carl-Otto-Weg an der evangelischen Kirche abholten. Kommandant Karsten Baur begrüßte die beiden Pfarrer Thomas Breitkreuz und Dr. Luka Ilic und führte den Zug die leere Königstraße hinunter bis zur katholischen Stadtpfarrkirche St. Martin, wo sich Stadtpfarrer Gerhard Bundschuh mit seinen Ministranten in den Zug einreihte. Vor der Stadthalle verabschiedete sich der Spielmannszug unter Leitung von Tambourmajor Fabian Graf mit einem Ständchen von den drei Geistlichen.

Zusehends füllte sich die Stadthalle und konnte die vielen Gottesdienstbesucher kaum fassen, darunter sehr viele Balzheimer. Niemand hatte mit so einem Ansturm gerechnet. Die Kirchgänger beiderlei Konfessionen erhielten ein Button mit der Lutherrose.

Die Dietenheimer Stadtkapelle unter Stabführung von Thomas Euler begleitete den erhebenden und denkwürdigen Gottesdienst musikalisch. In seiner Einführung erinnerte Pfarrer Thomas Breitkreuz daran, wie anders doch die Reformationsjubiläen der vergangenen Jahrhunderte gefeiert worden waren, nämlich ganz im Zeichen der Abgrenzung der Konfessionen.
Die Predigt hielt der neue Balzheimer Pfarrer Dr. Luka Ilic, als Reformationshistoriker geradezu prädestiniert für diese Aufgabe. Ilic gab seiner Predigt den Rahmen "Ereignis von gestern, Aufgabe für heute und Hoffnung für morgen". Auf der Grundlage von Paulus' Brief an die Römer rühmte er die Gnade Gottes mit dem Neologismus "Gottes vergebende Vergesslichkeit" und bezeichnete sie als "Herz der Reformation". Daraus, so der Balzheimer Pfarrer, erwachse die Herausforderung, sich von Gott täglich reformieren zu lassen. Die Rechtfertigung als Geschenk Gottes sei auch 1999 von der römisch-katholischen Kirche anerkannt worden, so Dr. Luka Ilic.
Der katholische Stadtpfarrer Gerhard Bundschuh, der den Gottesdienst mitgestaltete und mitfeierte, betonte mit Blick auf die Vergangenheit: "Die beiden Kirchen haben sich zu lange auf das konzentriert, was sie trennt, und nicht auf das, was sie verbindet." Das Abendmahl feierten auch viele Katholiken mit.
Die drei Pfarrer und drei Kirchengemeinderäte verlasen sechs Verpflichtungserklärungen zur Ökumene und entzündeten dafür sechs Kerzen, die später zur katholischen Pfarrkirche getragen wurden.

Allen mundete das deftige Mittagessen (Schweinebraten, bayrisch Kraut und Knödel), von Chefkoch Ludwig Häußler und seinen Helfern zubereitet und serviert. Passend zum Reformationsjubiläum hatte der frühere Rosenwirt Häußler 500 Knödel hergestellt. Die Serviette schmückte ein allbekanntes und deftiges Lutherzitat.

Das Historienspiel der Theaterfreunde Balzheim, der erste Teil von Harald Kächlers Stück "Lutheraner und Papisten" mit dem Titel "Balzheim soll evangelisch werden", passte zum Thema des Tages wie die Faust aufs Auge: Damals (1540) tat sich durch die Reformation und die Glaubensspaltung ein Graben zwischen Dietenheim und Balzheim auf, heute (2017) konnten Christen beider Konfession von Dietenheim und Balzheim gemeinsam feiern. "Das Stück zeigt einmal eine andere Perspektiveder Reformation, die von unten", hatte Pfarrer Thomas Breitkreuz zuvor gesagt. Viele Zuschauer waren bewegt vom intensiven Spiel der zehn Akteure, die zeigten, wie wenig einst der einfache Mensch über seine Religion entscheiden konnte und welche persönlichen Dramen dies nach sich zog.
Die Instrumentalgruppe Aide Musica unter Leitung von Gudrun Diebold führte das Publikum durch zeitgenössische Stücke musikalisch in die Epoche der Reformation.

Zum Abschluss dieses denkwürdigen Tages zogen katholische und evangelische Christen gemeinsam mit Pfarrer Bundschuh in die Martinskirche, um mit einer Andacht den katholischen Feiertag Allerheiligen einzuläuten.

Den Organisatoren und vielen Helfern dieser großartigen Reformationsfeier gebührt großes Lob für ihre Ideen und für Engagement.
hk