Zum 100. Geburtstag von Albrecht Goes

Am Sonntag, den 17. Februar 2008 lud die Evangelische Kirchengemeinde Balzheim zu einem Vortragsabend über den "Pfarrer - Dichter - Vater" ins Hans-Ehinger-Haus nach Unterbalzheim ein.

Pfarrer Harald W.Losch begrüßte Frau Rose C. Keßler geb. Goes die aus den Werken ihres Vaters las.

Diese Veranstaltung sollte ein Auftakt für die in diesem Jahr landesweit verlaufenden Veranstaltungsreihe zu Ehren des 100. Geburtstages von Albrecht Goes sein.

Der Dichter und Pfarrer Albrecht Goes trat 1933 in Balzheim seine erste Pfarrstelle an. Viele seiner Werke sind hier entstanden und Rose C. Keßler erinnert sich : "Es war eine gute Zeit, ein guter Boden für meinen Vater in Balzheim".

Allerdings war es eine schwierige Zeit, die Nationalsozialisten hatten gerade die Macht übernommen. So zitierte Frau Keßler aus Predigten, wie sich ihr Vater den neuen Machthabern gegenüber verhalten hat.

Seinen Konfirmanden sagt Goes 1934, dass sie sich ein "Heim ins Reich" im christlichen Sinne nicht als eine Heimkehr in irgend ein Land vorstellen sollen.

Heimat sei da, wo jemand an seinem Leben nicht vorbei sehe und ein Mensch in der Liebe stehe.

"Dort ist das Reich", sagte Goes.

 

 

Rose C. Keßler

Rose C. Keßler schilderte den weiteren Lebenslauf ihres Vaters, der im Krieg als Wehrmachtspfarrer in Gefängnissen und Lazaretten tätig war.

Die Vernichtung der Juden hat Goes immer wieder beschäftigt.

Seine Erzählung "Das Brandopfer" thematisiert dies.

Keßler las einen Text, in der eine Begegnung mit einem jüdischen Arzt und dessen Sohn in Ungarn geschildert wird, die um Hilfe gegen die anrückenden Mordkommandos der SS bitten.

Nach dem Krieg setzte sich Goes intensiv für eine Versöhnung mit dem Judentum ein, mit dem großen jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber hatte er bereits vor dem Krieg Kontakt aufgenommen.

So stand Goes mit zahlreichen wichtigen Persönlichkeiten Nachkriegsdeutschlands in Kontakt, etwa mit dem Bundespräsidenten Richard von Weizäcker, der ihm freundschaftlich verbunden war.

Neben den ernsten Werken Albrecht Goes trugen Rose C. Keßler, ihr Mann und Marie Luise Losch, die Tochter des Balzheimer Pfarrers, heitere Gedichte und Texte des Dichters vor. Darunter erste Gedichte über die Großmutter in Berlin oder über Gärten und Gartenarbeit.

 

 

Pfarrer H.W. Losch bedankt sich bei Rose C. Keßler

Am Ende des Vortages überreichte Pfarrer Harald W. Losch ein kleines Präsent als Dankeschön an Frau Keßler.